Jahresabschluss im Einkauf gelingt den besten Teams schon im August

Alex Hug

Alex Hug

27. August 2026

Jahresabschluss im Einkauf gelingt den besten Teams schon im August
Ich spreche regelmäßig mit Einkaufsleitern, die mir im Oktober erzählen, wie stressig die nächsten drei Monate werden. Jahresziele dokumentieren, Rahmenverträge verlängern, Budget für 2027 verhandeln, Savings-Zahlen zusammenstellen, Lieferantengespräche abschließen.

Das alles gleichzeitig, unter Zeitdruck, im operativen Alltag.

Und immer, wenn ich frage, wann sie mit der Vorbereitung begonnen haben, ist die Antwort meistens: zu spät.

Die Einkaufsleiter, die Q4 entspannt durchlaufen, haben eine Gemeinsamkeit. Sie haben im August angefangen.

Warum der Jahresabschluss nicht im Dezember beginnt


Der Jahresabschluss im Einkauf hat drei Teile, und jeder braucht Vorlaufzeit.

Teil eins ist die Savings-Dokumentation. Die Frage, was der Einkauf in diesem Jahr gebracht hat, ist nur beantwortbar, wenn die Daten laufend erfasst wurden. Wer versucht, im Dezember alle Ausschreibungen des Jahres zu rekonstruieren, also Ausgangspreis, finales Angebot, realisiertes Volumen, verbringt eine Woche damit, E-Mails aus dem Archiv zu suchen. Wer von Januar bis September jede abgeschlossene Ausschreibung kurz dokumentiert hat, braucht dafür zwei Stunden.

Teil zwei ist das Vertragsmanagement zum Jahresende. Viele Lieferantenverträge laufen zum 31. Dezember aus. Manche verlängern sich automatisch, wenn keine Kündigung ausgesprochen wird, zu denselben Konditionen wie im Vorjahr, ohne Marktprüfung. Das ist die teuerste Form von Loyalität. Eine Übersicht aller auslaufenden Verträge, die jetzt erstellt wird, schafft eine Entscheidungsgrundlage. Was soll verlängert werden? Was soll neu ausgeschrieben werden? Was soll aufgelöst werden?

Teil drei ist das Budget 2027. Die Budgetplanung für das Folgejahr findet in den meisten Unternehmen im Oktober und November statt. Einkaufsbudgets, Savings-Ziele, Investitionsplanung für neue Projekte, das alles wird dann in kurzer Zeit entschieden. Wer im August weiß, welche Preisentwicklungen zu erwarten sind, welche Projekte in 2027 Beschaffungsvolumen erzeugen, und welche Savings-Potenziale identifiziert sind, geht mit Substanz in dieses Gespräch. Wer im Oktober mit der Analyse beginnt, geht mit Schätzungen.

Was jetzt konkret auf der Agenda sein sollte


Sechs Themen, die der Einkauf im August und September bearbeiten sollte.

Das Ausschreibungsprotokoll aktualisieren ist der erste Punkt. Alle bisher in 2026 abgeschlossenen Ausschreibungen erfassen, Datum, Warengruppe, Volumen, Ausgangspreis, Ergebnis, Saving. Das ist der Rohstoff für die Jahresbilanz. Wenn diese Daten in einem digitalen System vorhanden sind, exportieren und prüfen, ob alles vollständig ist. Wenn sie verteilt sind, jetzt zusammenführen, nicht im Dezember.

Eine Vertragsablaufübersicht erstellen ist der zweite Punkt. Welche Rahmenverträge, Jahresabkommen oder Dienstleistungsverträge laufen bis Ende 2026 aus? Für jeden dieser Verträge eine Entscheidung vorbereiten, verlängern zu welchen Konditionen, ausschreiben, oder auflösen. Die Konsequenz für den Q4-Ausschreibungskalender ist, dass klar sein muss, was bis wann vergeben sein muss, damit die Versorgung ab Januar gesichert ist.

Offene Ausschreibungen für Q4 priorisieren ist der dritte Punkt. Welche geplanten Ausschreibungen müssen noch bis Jahresende abgeschlossen werden? Zeitrahmen rückwärts planen, Vergabeentscheidung bis wann, Angebotsphase von wann bis wann, Anforderungsdefinition und Lieferantenauswahl bis wann. Wer das im August plant, hat im Oktober noch Spielraum für Verzögerungen.

Savings-Ziel-Soll-Ist vergleichen ist der vierte Punkt. Wie viel vom Jahresziel ist bereits erreicht? Welche Ausschreibungen werden noch kommen, die zur Savings-Summe beitragen? Gibt es ein realistisches Bild, ob das Jahresziel erreichbar ist? Dieser Vergleich ist nicht nur intern wichtig, er ist Grundlage für das Gespräch mit der Geschäftsleitung.

Lieferanten-Gespräche vorbereiten ist der fünfte Punkt. Welche strategischen Lieferanten sollten vor Jahresende einen strukturierten Austausch bekommen, nicht als Reklamationsgespräch, sondern als Jahresgespräch? Themen sind der Rückblick auf Lieferleistung, der Ausblick auf 2027, Volumenentwicklung, gemeinsame Prioritäten. Diese Gespräche im November zu führen ist besser als im Dezember, wenn alle Terminen hinterherrennen.

Budget-Szenarien für 2027 entwickeln ist der sechste Punkt. Welche Rohstoffmärkte sind volatil? Wo sind Preissteigerungen wahrscheinlich? Welche Investitionsvorhaben in 2027 haben Einkaufsrelevanz, die noch nicht im Budget auftaucht? Wer mit drei Szenarien ins Budgetgespräch geht, konservativ, realistisch, optimistisch, ist deutlich besser vorbereitet als wer mit einer einzigen Zahl kommt.

Der Unterschied zwischen reaktivem und strukturiertem Einkauf


Reaktiver Einkauf erledigt das Jahr im Dezember. Strukturierter Einkauf bereitet das Jahr im August vor.

Das ist keine Frage der Disziplin. Es ist eine Frage der Systeme und Gewohnheiten.

Wer laufend dokumentiert, hat im Dezember fast nichts zu tun. Wer erst im Oktober beginnt, dreht an Schrauben ohne Plan.

Das gilt auch für die Außenwirkung. Ein Einkaufsleiter, der im Budgetgespräch mit vollständiger Savings-Dokumentation, einer Risikoeinschätzung für 2027 und einem klaren Ausblick erscheint, wird anders wahrgenommen als einer, der Schätzungen präsentiert.

Der strategische Stellenwert des Einkaufs im Unternehmen hängt nicht nur von Ergebnissen ab, sondern davon, wie sichtbar und steuerbar diese Ergebnisse sind.

Was Digitalisierung in der Jahresabschlussphase leistet


Wer seine Ausschreibungen digital abgewickelt hat, hat einen strukturellen Vorteil bei der Jahresbilanz. Die Daten sind vorhanden. Welche Ausschreibungen wurden durchgeführt? Mit welchem Ergebnis? Welches Volumen lag dahinter?

Auswertung, Export, Präsentation, das geht in Stunden, nicht Tagen.

cusoso Target speichert alle Ausschreibungsdaten und macht sie filterbar. Der Savings-Bericht entsteht nicht durch Rekonstruktion aus dem E-Mail-Archiv, sondern durch Auswertung der vorhandenen Daten.

Das ist der langfristige Wert digitaler Einkaufsprozesse. Nicht nur, dass die einzelne Ausschreibung besser wird, sondern dass die Datenbasis wächst, die am Jahresende und im Budgetgespräch zählt.

Häufige Fragen


Wir haben das nie so strukturiert gemacht, wie fangen wir an? Mit dem Einfachsten. Alle Ausschreibungen der letzten sechs Monate kurz dokumentieren. Datum, Warengruppe, Ergebnis, Saving. Das dauert einen halben Tag. Ab dann konsequent laufend erfassen.

Was ist ein realistisches Savings-Ziel für 2026? Das hängt vom Einkaufsvolumen, der Marktlage und den Warengruppen ab. Als Orientierung gilt, dass drei bis fünf Prozent des beeinflussbaren Einkaufsvolumens für Abteilungen mit aktivem Sourcing ein realistischer Richtwert sind. Nicht universell, aber ein Ausgangspunkt für die Planung.

Unser Budget wird vom Management vorgegeben, haben wir überhaupt Einfluss? Ja, wenn der Einkauf eigene Zahlen und Einschätzungen einbringt, bevor das Budget festgelegt wird. Wer nach der Budgetentscheidung kommt, ist zu spät. Wer früh mit fundierten Szenarien kommt, hat Einfluss.

Wir sind zu zweit im Einkauf, das klingt nach viel Aufwand. Es skaliert mit der Abteilungsgröße. Für ein zweiköpfiges Team heißt das, nicht sechs Themen parallel, sondern priorisiert. Savings-Dokumentation und Vertragsübersicht sind Pflicht. Alles andere ist optionaler Zusatz.

Der nächste Schritt


Der Jahresabschluss im Einkauf beginnt im August, nicht im Dezember. Sechs Themen, priorisiert nach Kapazität, machen aus einem stressigen Q4 einen planbaren.

cusoso Target speichert alle Ausschreibungsdaten filterbar, damit der Savings-Bericht durch Auswertung entsteht, nicht durch Rekonstruktion aus dem E-Mail-Archiv. Ob das zu Ihrer Einkaufsorganisation passt, zeigt der Quick-Check in 3 Minuten.

Zum Quick-Check

Mehr erfahren?

Entdecken Sie, wie cusoso Target Ihren Einkauf steuerbarer macht.

YouTube Videos

Zum Abspielen von YouTube-Videos benötigen wir Ihre Zustimmung. YouTube (Google) kann dabei Daten verarbeiten.