Warum Transparenz im Einkauf kein Reporting-Thema ist

Alex Hug

Alex Hug

19. March 2026

Warum Transparenz im Einkauf kein Reporting-Thema ist

Spend Visibility im Einkauf: Warum Transparenz mehr ist als ein Reporting-Dashboard

Ende der 2000er Jahre durfte ich als Business Analyst für den neu eingesetzten CPO eines Automobilzulieferers arbeiten. Die Organisation war damals stark werksgetrieben. Die einzelnen Standorte agierten einkäuferisch weitgehend autonom, Austausch über Werke hinweg fand nur punktuell statt, und viele Entscheidungen waren lokal optimiert – nicht unbedingt im Sinne des Gesamtunternehmens.

Dann kam die Weltfinanzkrise. Der Margendruck stieg spürbar, Absatzprognosen wurden vorsichtiger, die Erwartung an den Einkauf war klar: Er sollte seinen Beitrag leisten, um die rückläufigen Märkte zu kompensieren. In dieser Phase waren Preisverhandlungen durchaus erfolgreich. Energie- und Rohstoffpreise gingen zurück, Lieferanten standen selbst unter Druck, und auf vielen Positionen ließ sich tatsächlich verhandeln. Auf den ersten Blick sah es so aus, als würde der Einkauf liefern.

Der CPO entschied, Einsparungen systematisch zu tracken. Es ging nicht mehr darum, ob „irgendwo“ gespart wird, sondern darum, ob wir als Unternehmen wirklich verstehen, wo wir stehen – pro Werk, pro Materialgruppe, Monat für Monat. Ich bekam den Auftrag, dafür ein globales Reporting aufzubauen. Ein sauberes Template, klare Kennzahlenlogik, konsolidierte Daten. Auf dem Papier war das stringent. In Excel funktionierte es.

Doch die Realität hat dieses Bild schnell korrigiert. Zwei Schwächen wurden sichtbar, die auf den ersten Blick banal wirken, aber in der Wirkung entscheidend waren. Zum einen waren die Zielvorgaben nicht ausreichend mit den Verantwortlichen abgestimmt. Ziele existierten, aber sie waren nicht überall wirklich angenommen, nicht überall gleich verstanden und nicht überall mit derselben Verbindlichkeit hinterlegt. Viel gravierender war jedoch der zweite Punkt: Es fehlte Transparenz über die konkreten Maßnahmen, mit denen Einsparungen überhaupt erzielt werden sollten.

Ich sammelte die Zahlen aus allen Werken und konnte sie sauber in ein Monatsreporting überführen. Nur: Außerhalb der jeweiligen Standorte wusste kaum jemand, wie diese Ergebnisse zustande kamen. Das Reporting zeigte Resultate, aber es erklärte nicht den Weg dorthin. Es zeigte, dass etwas passiert war – nicht, warum es passiert war, wodurch es passiert war und ob es reproduzierbar war.

Genau daraus entstanden Situationen, die auf den ersten Blick kurios waren, wirtschaftlich aber hoch relevant. Beim gleichen Lieferanten sanken die Preise in einem Werk, während sie in einem anderen stiegen. In der Summe neutralisierten sich positive Effekte und negative Entwicklungen gegenseitig. Das Unternehmen sah Aktivität, es sah auch punktuelle Erfolge – aber es sah keinen echten, steuerbaren Hebel auf Gesamtebene. Lokale Optimierung blieb lokal. Lernen blieb lokal. Und Wettbewerbseffekte, die man hätte skalieren können, verpufften, weil niemand die Maßnahme hinter dem Ergebnis kannte und damit auch niemand sie bewusst replizieren konnte.

Unterm Strich wurden Einsparziele verfehlt, obwohl an vielen Stellen gute Arbeit geleistet wurde. Diese Erkenntnis hat mich nachhaltig geprägt, weil sie einen verbreiteten Denkfehler entlarvt: Transparenz ist kein Reporting-Thema. Transparenz ist die Voraussetzung dafür, dass Ziele und Maßnahmen wirklich zusammenpassen. Reporting kann sichtbar machen, ob etwas passiert ist. Steuerung entsteht erst, wenn man versteht, was passieren muss, wer es verantwortet, welche Maßnahmen geplant sind und wie sich diese Maßnahmen über Standorte, Materialgruppen und Zeit tatsächlich auswirken.

Fast forward in Richtung 2026: Genau aus dieser Erfahrung heraus haben wir mit cusoso Target eine Plattform entwickelt, die diesen Zusammenhang konsequent herstellt. Der Kern ist nicht, noch ein Reporting zu bauen, sondern Zielsteuerung operativ zu machen. Einkaufsziele werden direkt mit konkreten Maßnahmen verknüpft – von Ausschreibungen über Auktionen und Lieferantenbewertungen bis hin zu Dual Sourcing, Bedarfsbündelungen oder auch dem strukturierten Abverkauf von Restbeständen. Der Punkt ist dabei immer derselbe: Zielgeber und Umsetzer sehen jederzeit, wo sie stehen, welche Maßnahmen wirken, wo es kritisch wird und wo noch Spielraum besteht. Das ist nicht nur Transparenz um der Transparenz willen, sondern eine Form von Entscheidungsfähigkeit, die gerade in volatileren Zeiten über Ergebnis und Verfehlung entscheidet.

Mich interessiert dazu eine Frage, die in vielen Organisationen überraschend schwer zu beantworten ist: Wie stellen Sie heute sicher, dass Einsparziele und konkrete Maßnahmen im Einkauf wirklich sauber zusammenhängen – standortübergreifend und reproduzierbar?

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